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Presseerklärung des BLLV Starnberg zum Stand der Inklusion in Starnberg: „Lehrer werden allein gelas



Das Kreisvorstandsmitglied des BLLV Starnberg, Hans-Peter Etter, selbst über viele Jahre Lehrer im Landkreis Starnberg, äußert sich zum Artikel im Starnberger Merkur „Eine Petition für das Recht auf Inklusion“ (https://www.merkur.de/lokales/starnberg/starnberg-ort29487/eine-petition-fuer-recht-auf-inklusion-9617957.html)

wie folgt:

„Der Artikel beschreibt die Situation zum Stand der Inklusion in Starnberg sehr treffend. Die dort geschilderte Problematik ist bayernweit erkennbar und es ist traurig, dass versucht werden muss über eine Petition die Rechte einzufordern, die eigentlich längst durch die UN-Behindertenkonvention ratifiziert und in Bayern gesetzlich verankert sind.

Der Handlungsbedarf beim Thema Inklusion ist an den Schulen unverändert groß!

In der Schulrealität funktioniert Inklusion nur sehr unzureichend. Bayern bildet bei der Inklusion wie übrigens auch beim Ausbau von Ganztagesschulen leider das Schlusslicht in Deutschland. Inklusion kann nicht von heute auf morgen verordnet werden. Inklusion ist ein Prozess, bei dem jedoch die Rahmenbedingungen von Anfang an stimmen müssen. Dies ist weder in Bayern und auch nicht im Landkreis Starnberg gegeben. Gerade für den Landkreis ist es traurig, dass eine Mutter händeringend eine Inklusionsschule suchen muss und keine findet.

Hier sind Gesellschaft, die Politik und auch die Administration gefordert! Der Bayerische Landtag und das Kultusministerium haben die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen, damit Inklusion gelingen kann! Ein Land in dem die Steuereinnahmen nur so sprudeln, kann es sich doch nicht leisten, die Schulen so mangelhaft auszustatten, dass Inklusion so niemals richtig gelingen kann!

Der gemeinsame Unterricht von Menschen mit und ohne Behinderung ist elementarer Bestandteil einer guten Schule. Inklusion bedarf erheblicher zusätzlicher Mittel und einer höheren Personalzuweisung an die Schulen. Unsere Schulen benötigen entsprechende multiprofessionelle Teams, die kontinuierlich zusammenarbeiten. Dies ist nach jetzigem Stand nicht gegeben, der MSD unterstützt die Schulen in viel zu geringer Form und hat nicht die Ressourcen, die notwendig wären.

Die im Artikel erwähnte Schulbegleitung müsste völlig anders aufgestellt werden. Hier wäre eine qualifizierte und kontinuierlich beschäftigte Schulassistenz erforderlich, die nicht nur für ein einzelnes Kind zuständig ist.

Zugleich sind die räumlichen Voraussetzungen an den meisten Schulen überhaupt nicht gegeben und ein Umbau der Schulen ist mit hohen Investitionen verbunden, was sich manche Gemeinden und Städte als Sachaufwandsträger nicht leisten können oder wollen.

Ein weiteres Problem stellt die medizinische Versorgung vieler Inklusionskinder dar. Lehrkräfte sind keine medizinischen Hilfskräfte und können die Anforderungen bezüglich Verabreichung von Medikamenten und medizinischer Hilfsmaßnahmen nicht oder nur sehr unzureichend wahrnehmen. Hierfür entsprechend ausgebildete Schulassistenten oder andere medizinische Assistenz ist ebenso für die Schulen zwingend erforderlich!

Ein zumindest mittelfristiges Ziel wäre es, dass die Hälfte der allgemeinbildenden Schulen sich auf einen gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf einrichten kann. Im Dienst befindliche Grund- und Mittelschullehrer sind von der Lehrerbildung har gar nicht auf Inklusion vorbereitet. Hier wird entsprechendes Fachpersonal, also hierfür speziell ausgebildete Lehrkräfte, benötigt. Es bedarf einer erheblich besseren Ausstattung der Schulen und vor allem kleinerer Klassen. In einer Klasse mit 25 Kindern kann Inklusion nicht gelingen! Inklusionsklassen bedürfen einer deutlich niedrigeren Schülerzahl, einer entsprechenden Begleitung von Sonderpädagogen im Umfang von 10 Stunden pro Klasse und Woche.

Es ist auch im Landkreis Starnberg üblich, ein Inklusionskind einfach in eine Regelklasse zu stecken und die Lehrkraft hat alles weitestgehend alleine zu leisten. Hier kommen Lehrkräfte sehr schnell an ihre Grenzen und Inklusion kann unter den geschilderten Rahmenbedingungen niemals gelingen!“


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